Vision
„Geplant war, auf dem unteren Waisenhausplatz für die Schülerinnen und Schüler der damaligen Neuen Mädchenschule einen angenehmeren Aufenthaltsort für die Pausen zu gestalten.“ - Peter J. Betts, Leiter für Kulturelles der Stadt Bern, 1993
Nach dem Besuch einer Ausstellung von Meret Oppenheim im Obersteg beschloss die damalige Berner Baudirektorin Ruth Geiser, der Künstlerin den Auftrag für ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zu geben.
Meret Oppenheim trat auf den Waisenhausplatz und sah eine „Autowüste“. So hatte Sie ursprünglich vorgesehen, den Platz mit rotem Porphyr zu gestalten und ihn zum Brunnen hin leicht abzusenken – heute ist es genau umgekehrt. Die Säule wäre im Zentrum der umliegenden Gebäudeachsen positioniert worden. Auf ihrer Projektskizze ist zudem eine Bepflanzung rund um den Brunnen erkennbar. Den Verkehr wollte sie vollständig aus dem Platz verbannen. Ihr Ziel war es, aus dem urbanen Niemandsland einen Ort der Konzentration, der Begegnung und der Ruhe zu schaffen.
Leider konnten nicht alle ihre Vorhaben umgesetzt werden. Zwischen der ursprünglichen Vision Meret Oppenheims und der heutigen Ausgestaltung des Waisenhausplatzes klafft daher eine spürbare Lücke: Vieles von dem, was als grüner, geschützter Aufenthaltsort gedacht war, blieb im Planungsprozess auf der Strecke.
In einem Brief an Jean Tinguely schrieb sie 1983:
«…..Aber auch mich stört es, weil die Form des Wasserläuffleins nicht schön ist, wie es in der Natur wäre, sondern es ist so: Also, ich habe eine Idee, die, wie ich hoffe, auch dem Hochbauamt etc. gefällt.
Es wird eine Vertiefung, länglich rechteckig gemacht, etwa 2,50 x 30–40 cm (mit Ablauf). Diese wird auch bepflanzt (Sumpfpflanzen). Das Wasser fliesst also bloss bis zum «Sümpflein». Drum herum 50 cm–80 cm hohe «Felsen», zum Draufsitzen. Ich werde das jetzt vorschlagen.
Die Leute beschweren sich sowieso, dass der Platz so nüchtern u. karg ist. Auf meiner Zeichnung hatte ich auch Grünes gezeichnet. Die Architekten antworteten «wir wollen hier kein Paradisgärtchen». Aber so wie es jetzt ist, sind die Schulkinder: genauso von Autos umgeben wie vorher, «geschützt» von Abschrankungen wie für Demonstrationen. Ich finde das unmöglich. Es hat Bänke dort, aber ich setze mich nicht auf eine Bank wo hinter meinem Rücken 1½ m weg Autos vorbei surren. Es müssen, stellenweise, 50 cm dicke (geschnittene) Hecken dahinter sein….»