Am 26. November 1983 wurde der von Meret Oppenheim gestaltete Brunnen auf dem Waisenhausplatz in Bern enthüllt. Das Werk, eine hohe Betonsäule mit spiralförmig herabfliessendem Wasser, löste bereits bei der Einweihung intensive Debatten aus – der Meret-Oppenheim-Brunnen wurde in Berner Zeitungen heftig diskutiert und teilweise scharf kritisiert. Viele sahen in der ungewohnten Form keinen klassischen Brunnen, sondern einen Fremdkörper im Stadtbild und äusserten sich ablehnend in Leserbriefen und Kommentaren. Einige Betrachter empfanden die Säule als „unfreundlich“ oder als irritierend für den öffentlichen Raum, andere hielten sie für provokativ und ungewohnt. Selbst eine damals 14-jährige NMS-Schülerin zeigte sich enttäuscht: Sie hätte sich einen klassischen Springbrunnen gewünscht und keine Säule.

Heute gilt der Brunnen trotz oder gerade wegen der Kontroversen als charakteristisches Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum und als städtisches Wahrzeichen, dessen lebendige, sich im Lauf der Jahre verändernde Oberfläche das Werk zu einem dynamischen Bestandteil des Platzes macht.

 

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