Martin Stadelmann

Nach fast 26 Jahren (1999–2025) an der NMS Bern trat Prof. Dr. Martin Stadelmann Ende März 2025 in den Ruhestand. Während dieser beeindruckenden Zeitspanne war sein Wirken eng mit der Lehrerinnen- und Lehrerbildung der NMS verwoben. Mehr als 18 Jahre leitete er unser Institut für Lehrerinnen- und Lehrerbildung und prägte damit dessen Entwicklung entscheidend. Als Mitglied der Leitungskonferenz wirkte er zudem 17 Jahre lang bei richtungsweisenden Entscheidungen mit, die auch die anderen Schulformen der NMS – Volksschule, Fachmittelschule und Gymnasium – betrafen.

Martin Stadelmann verkörperte das Ideal eines Mitarbeitenden, wie die NMS sie sich wünscht: Er tat nicht nur, was von ihm als Funktionsträger erwartet wurde, sondern schuf mit Einsatz, Überzeugungskraft und Ausdauer institutionelle Attraktivität und Perspektiven für zahlreiche Kolleginnen und Kollegen.

Sein Wirken beruhte auf einem tiefen Glauben an die Werte der NMS. Diese prägten sein Handeln als Lehrperson, Dozent für Allgemeine Didaktik, Pädagogische Psychologie und Berufspraxis sowie später (ab 2006) als Leitungsmitglied. 

Im Zeitraum seines beruflichen Schaffens an der NMS erlebte und begleitete Martin Stadelmann drei grundlegende Transformationsprozesse:

  • Die Umwandlung des Lehrerseminars und des Kindergärtnerinnenseminars in das Institut für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ILLB) (2002).
  • Die Weiterentwicklung des ILLB zum Institut Vorschulstufe und Primarstufe (IVP) (2005).
  • Die Reorganisation des IVP zum Pädagogischen Hochschulinstitut NMS Bern (PH NMS) (2023), verbunden mit der Akkreditierung als eigenständige Pädagogische Hochschule gemäß dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG).

Von 2006 bis 2025 leitete Martin Stadelmann das IVP bzw. das PH NMS. Bis 2023 war er sowohl Mitglied der Leitungskonferenz der NMS als auch der Hochschulleitung der PH Bern. Nach der Reorganisation von 2023 gehörte er der neu geschaffenen Geschäftsleitung der NMS an.

Transformationsprozesse sind mit Unsicherheiten verbunden. Im Falle der Lehrerinnen- und Lehrerbildung der NMS waren sie existenziell, weil es politische Kräfte gab, welche eine privatrechtlich organisierte Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Frage stellten und die Verstaatlichung forderten. Im Gegensatz zu allen anderen privatrechtlich organisierten Institutionen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung, die entweder zu Gymnasien umgewandelt wurden oder verschwanden, ist das Pädagogische Hochschulinstitut NMS heute schweizweit die einzige privatrechtlich akkreditierte Pädagogische Hochschule, welche Primarlehrpersonen ausbildet[1]. Und Bern ist der einzige Kanton, der zwei Pädagogische Hochschulen – eine staatliche und eine privatrechtlich organisierte - unterhält. Das PH-Institut NMS stellt in der schweizerischen Bildungslandschaft also quasi eine historische Anomalie dar. Möglich wurde dies, weil es der NMS immer wieder gelungen ist, im Kanton Bern politische Mehrheiten davon zu überzeugen, 

  • dass es für den Kanton Bern wirtschaftlich sinnvoll ist, ein privatrechtliches PH-Institut zu finanzieren[2]
  • dass die Qualität der Ausbildung zur Lehrperson an der NMS ausser Zweifel steht[3]
  • und dass Bildungsvielfalt (auch im Hochschulbereich) systemisch wünschenswert ist[4].

Hinter diesem Erfolg verbirgt sich eine grosse Anstrengung, die von vielen Menschen über sehr lange Zeit erbracht worden ist und noch immer erbracht wird. Aber der Glaube an den Erfolg muss von ganz oben kommen, und zwar nicht lediglich in Form von Parolen, sondern vor allem in Form von überzeugenden Konzepten, hilfreichen Netzwerken, geschickt geführten Verhandlungen und nicht zuletzt auch von konstant bewiesener Qualität, Transparenz und einer hohen Verlässlichkeit. Martin Stadelmann konnte das alles nicht allein leisten. Aber ohne seinen spürbaren Glauben an den Erfolg wäre es nicht möglich gewesen, dass das ganze Institut in Zeiten der Krise zuversichtlich geblieben ist und aufgrund des konstanten Veränderungsdrucks nicht durch Frustration gelähmt wurde. Es gelang ihm und seiner Führungscrew, Perspektiven zu entwickeln und mit dem ganzen Kollegium unter immer wieder neuen Voraussetzungen eine Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu konzipieren und zu realisieren, die angehende Studierende, andere PHs, Bildungsexpertinnen und -experten und die Politik überzeugte. So ist es Martin Stadelmann mit seinem Kollegium in einer bewegten Zeit nicht nur einmal, sondern mehrfach gelungen, einer Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der NMS eine Zukunft zu erarbeiten.

Martin Stadelmanns Glaube an den Erfolg war weder naiv noch ohne Zweifel. Martin war eine vorsichtig und sehr überlegt agierende Führungsperson. Genaue Analysen, sorgfältiges Abwägen und umsichtiges Vorbereiten kennzeichneten seinen Führungsstil. Er gestaltete wichtige Entscheidungen als Mitwirkungsprozesse. Und es war ihm wichtig, dass diese Umsicht auch in allen Bereichen des Instituts gelebt wurde. 

Durch die Art und Weise seines Schaffens und Wirkens kann Martin Stadelmann Vorbild für die gesamte NMS sein: Im Gegensatz zu einer staatlichen Bildungsinstitution müssen sich alle Bildungsabteilungen der NMS ihre Zukunft immer wieder selbst erschaffen. Das Engagement, das von den Lernenden und ihren Familien und von den Studierenden wahrgenommen wird, legt den Boden für den guten Ruf und damit für den Markterfolg der NMS. Die Bereitschaft unserer Mitarbeitenden, intensiv zusammenzuarbeiten und selbst in der Haltung von Lernenden zu bleiben, ermöglicht die Realisierung moderner Konzepte, die anderen Bildungsinstitutionen etwas voraushaben. Ihre Bereitschaft, nötigenfalls auch Phasen mit höherer Arbeitsbelastung zu akzeptieren, ist nicht nur Grundlage einer hohen Kundenorientierung, sondern auch betriebswirtschaftlich bedeutsam. Die NMS verdankt ihren Erfolg also letztlich jenen Mitarbeitenden, die bereit sind, mehr als nur einen guten Job zu machen. Martin Stadelmann war diesbezüglich beispielgebend.

Ende Februar 2025 übergab Prof. Dr. Martin Stadelmann das Amt des Rektors des Pädagogischen Hochschulinstituts NMS Bern seiner Nachfolgerin, Prof. Dr. Kathrin Müller. Indem wir ihr jeden erdenklichen Erfolg beim Füllen der grossen Stapfen wünschen, die Martin zurücklässt, wünschen wir Martin gleichzeitig eine langdauernde neue Lebensphase, die ihm inmitten seiner Familie und seines grossen Netzwerkes jene Aktivitäten erlaubt, die während seines langen Berufslebens hinter der NMS zurückstehen mussten.

Lieber Martin, deine Leistungen für die NMS waren ausserordentlich. Mein Dank ist entsprechend gross und ich bin sicher, dass ich ihn im Namen vieler ausspreche! 

In bleibender Verbundenheit,

Prof. Peter Heiniger
Direktor NMS Schulen und Vorsitzender der Geschäftsleitung der NMS Bern

 


[1]    Eine zweite privatrechtlich organisierte Pädagogische Hochschule ist die Schweizerische Hochschule für Logopädie Rorschach (SHLR).

[2]    25% aller Primarlehrpersonen im Kanton Bern sind von der NMS ausgebildet worden, jedoch zu einem durchschnittlich tieferen Preis (85% der Kosten der PH Bern).

[3]    Erwiesen durch regelmässige Evalutionen und Absolvierendenbefragungen, ein EDK-Anerkennungsverfahren und das Akkreditierungsverfahren (welche beide alle 7 Jahre wiederholt werden) und jährlichen Reporting-Controlling-Gesprächen mit dem Amt für Hochschulen des Kantons Bern.

[4]    Bildungsstrategie des Kantons Bern: files.be.ch/erz/bildungsstrategie/epaper/de/epaper/ausgabe.pdf, Seite 15.

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