Fachmittelschule

Grenzerfahrungen

Im Schulalltag der Fachmittelschule (FMS) wollen wir unsere Lernenden bei verschiedensten Gelegenheiten dazu ermutigen, ihre eigenen Grenzen auszuloten. Wir möchten ihnen die Erfahrung vermitteln, dass man Grenzen umgehen und oft auch überwinden kann. Wir möchten sie erleben lassen, dass Entwicklung stets an den persönlichen Grenzen stattfindet, nie in einer Komfortzone. Wer erfolgreicher werden oder weiterkommen möchte, muss sich an seine Grenzen wagen und in Kauf nehmen, dass das Arbeiten im Bereich der aktuellen Grenzen unbequem und anstrengend ist. Oft beginnen Entwicklungen mit kleinen Schritten, die man selber als unbedeutend wahrnimmt. Aber ebenso oft bringt Ausdauer unerwartete Wirkung, insbesondere dann, wenn eine erfahrene Lernbegleitung Hinweise geben kann, wo sich der Einsatz besonders lohnt. Das Erleben von Erfolg ist etwas Wunderbares! Es macht stolz und glücklich. Es kann das eigene Wohlbefinden und unter Umständen gar das Leben verändern.

Genau das bietet das Sportlager der FMS in Tenero (TI). Hier können die Lernenden Erfahrungen in Bereichen sammeln, denen sie sich im Alltag kaum je stellen müssen – beim Klettern zum Beispiel. Bereits die Erfahrung, etwas Neues zu wagen, kann befriedigend sein. Es mag mit Respekt oder gar mit Angst verbunden sein, sich an eine Felswand zu wagen. Wenn man aber erleben darf, dass eine gute Ausrüstung und die richtige Technik zusammen mit den hilfreichen Hinweisen einer erfahrenen Person Fortschritte erlauben, an die man zu Beginn selber nicht geglaubt hat, verändert sich im Kopf und im Herzen viel: Die Furcht macht der Freude Platz. Aus Versuchen werden Erfahrungen und mit der Erfahrung wächst das Vertrauen – Vertrauen in das Material, Vertrauen in die Technik, Vertrauen in die Begleitperson und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Aus Überwindung wird Stolz. Aus Furcht vor Höhe wird Freude an der Grenzüberwindung.

Die Felswände in Tenero stehen beispielhaft für die Grenzerfahrungen, die wir in der Schule täglich zu meistern haben: Jeden Tag erwartet die Lernenden etwas Unbekanntes. Jeden Tag muss der Mut gefasst werden, an die persönlichen Grenzen zu gehen. Jeder Tag bietet die Möglichkeit, Herausforderungen zu meistern, Erfolgserlebnisse zu sammeln und schliesslich Stolz auf das Erreichte zu sein. Lernerfahrungen, wie wir sie in Tenero anbieten, sollen dank des andersartigen Kontextes helfen, dies bewusst zu machen.

Oliver Aeppli
Rektor FMS 

Mehr als Sport: Gesunder Geist in einem gesunden Körper

An der Fachmittelschule (FMS) gibt es das Fach Sport nicht. Stattdessen gibt es dort das Fach „Sport und Gesundheitsförderung“. Es wird als berufspropädeutisches Fach verstanden, das heisst, es dient nicht nur der eigenen Fitness, sondern es bereitet auf Berufsfelder vor, in denen Bewegung und Gesundheit als sich ergänzende Konzepte verstanden werden. Ganz im Sinne von „mens sana in corpore sano“ (Juvenal, römischer Dichter, 1./2. Jahrhundert), also „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.

Wie wichtig ein Schulfach ist, spiegelt sich im Bewertungskonzept wider. Während hierzulande in vielen Schulformen Sport kein Promotionsfach ist, sportliche Leistungen im Zeugnis also keinen Einfluss auf das Bestehen haben, ist das in der FMS anders: Das Fach „Sport und Gesundheitsförderung“ ist ein Promotionsfach und hat auf der Ebene des Bewertungskonzepts die gleiche Wichtigkeit, wie beispielsweise Mathematik oder Deutsch – ganz im Sinne Juvenals.

Angesichts der Beobachtung, dass immer mehr und immer jüngere Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, ist dieser Perspektivenwechsel – weg von einseitigen Leistungskonzepten hin zu ganzheitlichen Bildungskonzepten (in denen Leistung und Leistungsfreude nach wie vor auch ihren Platz haben, aber „Gegengewichte“ erhalten) – unserer Meinung nach richtungsweisend.

An der FMS bieten sich viele Möglichkeiten, Körper und Geist gleichermassen zu pflegen. Ein Beispiel für ein derartiges Angebot ist das Snowsportcamp, das wir jeweils vor der Sportwoche im Februar durchführen. Neben körperlichen Aktivitäten im Schnee werden hier ausserhalb des alltäglichen Lern-Lehr-Kontexts Gelegenheiten zum Austausch, zur Reflexion, zum Lernen und auch zum Geniessen geschaffen, wie folgendes Bild vielleicht erahnen lässt.

Oliver Aeppli
Rektor FMS 

Fremsprachentag: Parles-tu français?

Der Fremdsprachentag der FMS findet jeweils nach den Frühlingsferien statt. Die Lernenden des ersten FMS-Jahres begrüssen dabei jeweils zwei Unterstufenklassen aus der französischsprachigen Schweiz an der NMS und verbringen den Tag mit ihnen.

Die Vorbereitung für diesen Tag beginnt bereits viel früher mit einem Briefwechsel, um sich gegenseitig kennenzulernen. Gleichzeitig bereiten die FMS-Lernenden unter der Leitung ihrer Französischlehrerin, Frau Nadine Peronnon, ein Programm für einen Besuchstag in Bern vor. Er beinhaltet eine Stadtführung, aber auch Spiel und Spass, ein Mittagessen und viele, viele Gespräche.

In diesen Gesprächen liegt der grösste Wert dieses Fremdsprachentages. Die Lernenden der Unterstufe sprechen kein Deutsch, sodass die FMS-Lernenden nicht darum herum kommen, ihre Französischkenntnisse anzuwenden. Für viele ist das herausfordernd, manchen macht es sogar Angst, und die meisten kostet es Überwindung. Aber sobald die französischsprachigen Kinder mit ihrer Ungezwungenheit, ihrer Mitteilsamkeit und ihrer Freude am Anlass vor den grossen FMS-Lernenden stehen, ändert sich das: Man merkt schnell, dass es nicht um den fehlerfreien Sprachgebrauch geht, sondern darum, sich verständlich machen zu können. Ob dazu auch Hände und Füsse erforderlich sind, ist eigentlich egal. Irgendwie versteht man sich immer. Um diese Erfahrung geht es.

Schade, dass wir nicht viele solche sprachenübergreifende Begegnungstage durchführen können…!

Oliver Aeppli
Rektor FMS

Selbständige Arbeit, FMS 3

Das Pünktchen auf dem i

Was am Gymnasium die Maturaarbeit ist, ist an der Fachmittelschule (FMS) die Selbständige Arbeit (SA). Sie verfolgt eine ganze Reihe von Zielen:

  1. Die Lernenden erhalten die Gelegenheit, sich mit einer selbst gewählten Thematik vertieft auseinanderzusetzen. Auch deshalb gehen viele Lernende diese Arbeit mit besonderer Motivation an.
  2. Im Rahmen der SA werden die Lernenden mit den Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit vertraut gemacht. Das ist zukunftsrelevant, denn das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten gehört sowohl im Fachmaturitätsjahr wie im anschliessenden Fachhochschulstudium zum Alltag.
  3. Die SA fordert von den Lernenden über einen relativ langen Zeitraum eine hohe Selbständigkeit in Bezug auf Planung und Organisation, Recherche, eigenverantwortlichem Lernen, Reflexion und Selbstregulation. Diese Fähigkeiten werden an unserer FMS mit dem „PLUS-Konzept“ systematisch gefördert, so dass die SA quasi das Gesellenstück darstellt, bei dem die Lernenden beweisen können, wie es um ihre Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Selbstregulationsfähigkeit bestellt ist.
  4. Die SA ist mit einer öffentlichen Präsentation verbunden. Das verlangt von den Lernenden nochmals andere Fähigkeiten: Sie müssen sich in die Zuschauenden und Zuhörenden hineinversetzen, sich überlegen, wie und mit welchen Mitteln sie Interesse wecken, einen Spannungsbogen entwickeln und während der Präsentation Erwartungen sowohl wecken wie auch erfüllen können. Es gilt den Faden zum Publikum zu spinnen und zu halten.

Vom „i“ stellt das alles quasi das I dar. Das Pünktchen auf dem i folgt nach unserem Kenntnisstand nur an der NMS: Nach der verbalen Präsentation muss die SA im Rahmen einer Ausstellung erneut versuchen, ein Publikum zu gewinnen – dieses Mal „stumm“ aber visuell möglichst anregend. Das erfordert erneut eine Analyse, wie das Publikum unter diesen völlig anderen Rahmenbedingungen angesprochen und zum Verweilen eingeladen werden kann. Was zieht die Aufmerksamkeit auf sich? Was fasziniert Ausstellungsbesuchende? Wie lange mögen sie an einem einzelnen Stand verweilen? Wie viel Information kann man ihnen dabei zumuten? Welche Kernbotschaft will ich vermitteln und was muss ich weglassen? 

Verschaffen Sie sich mit Hilfe der Bilder und des Videos selber einen Eindruck. Und wenn Sie sich beim nächsten Mal im April persönlich vom Charme dieser Ausstellung gefangennehmen lassen möchten, seien Sie bereits heute herzlich dazu eingeladen!

Oliver Aeppli
​​​​​​​Rektor FMS

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