Alex Hasler

Lehrperson Gymnasium

Verabschiedung von Alex Hasler

In den frühen 1990er-Jahren war ein Bewerbungsdossier zwar auch bereits mehrheitlich maschinengeschrieben, das Motivationsschreiben wurde aber typischerweise handschriftlich verfasst. Neben Zeugniskopien und Arbeitszeugnissen gehörte auch ein Leumund dazu, der die Unbescholtenheit des Bewerbers belegte. So sah das Bewerbungsdossier von Alex Hasler aus, das er vor 34 Jahren an der NMS einreichte, die damals offiziell «Neue Mittelschule» hiess, gelegentlich maulfaul als NMS bezeichnet wurde, von den meisten Menschen aber nur «die Neue» genannt wurde.

Vor 34 Jahren gab es bereits Kopiergeräte an Schulen, aber sie produzierten nur Schwarz-weiss-Kopien. Die Vervielfältigung eines Klassensatzes dauerte gefühlte Ewigkeiten und Farbkopien konnte man nur in ausgewählten Kopierläden für teures Geld herstellen lassen. Es war jedoch möglich, eine Vorlage auf eine Klarsichtfolie zu kopieren. Auch diese Folien waren teuer. An der NMS wurden sie deshalb vom Hausmeister verwaltet. Eine Lehrperson, die eine Folie brauchte, musste sie dem Hausmeister abbetteln. Und falls diese Folie unglücklicherweise falsch bedruckt wurde oder – noch schlimmer – im Kopierer steckenblieb und beim Einbrennen des Tonerstaubs zwischen den Rollen schmolz, musste man sich ein weiteres Mal der Strenge des Hausmeisters aussetzen.

«Hauptkampfmittel» der Lehrperson waren damals die Wandtafel und der Hellraumprojektor (wobei nicht jedes Unterrichtszimmer mit einem Projektor ausgestattet war). Auf ihm konnte eine Klarsichtfolie auf Rollen vor- und zurückgekurbelt werden (was unter Umständen eine Rückblende auf die Inhalte der letzten Unterrichtsstunde erlaubte, falls man gewillt war, fleissig zu spulen). Und wenn die Rolle vollgeschrieben war, war es nicht unüblich, sie mit Sprit zu reinigen, um sie wiederverwenden zu können.

Bilder, die nicht von Hand auf der Wandtafel oder einer Folie gezeichnet und koloriert wurden, konnten den Lernprozess entweder in Form von eingespielten Dias oder von Schulwandbildern unterstützen.[Ga1]  Auf jedem Stockwerk des Hauptgebäudes gab es einen Wagen mit eingebautem Fernseh- sowie VHS-Kassettengerät. Über eine Einschreibeliste konnte der Wagen reserviert werden.

Vor 34 Jahren hatte sich der Computer als Arbeitsgerät noch nicht im gesamten Lehrkörper durchgesetzt. E-Mail-Adressen? Nur Nerds besassen bereits eine. Es zirkulierten noch schreibmaschinengeschriebene Skripte und Arbeitsplätter, die Jahr für Jahr kopiert wurden. Die NMS besass aber immerhin bereits einen Computerraum. Als Speichermedium dienten Floppy Disks.

So sah die berufliche Lebenswelt aus, als Alex Hasler 1991 an die NMS kam.

Doch woher kam Alex Hasler? 

Nach der Primar- und Sekundarschule in Winterthur absolvierte Alex Hasler zunächst die Kaufmännische Berufsschule in Winterthur mit einer Lebensmittelhandlung als dualem Bildungspartner, wo er die berufspraktische Ausbildung in den Bereichen der allgemeinen Administration, der Buchhaltung, des Mahnwesens und des Zahlungsverkehrs erhielt. Diese Anstellung begleitete ihn auch während der Handelsschule AKAD, die er nach seiner Berufslehre in Oerlikon in Angriff nahm und die er mit dem Handelsdiplom VSH abschloss. Ebenfalls berufsbegleitend und ebenfalls an der AKAD erarbeitete er sich danach die eidgenössische Maturität. 1984 folgte ein Studium der Biologie an der Universität Bern, welches er 1990 mit dem Diplom für Biologie botanischer Richtung abschloss. Gleich im Anschluss absolvierte er am «Höheren Lehramt» der Universität Bern die Ausbildung zur Gymnasiallehrperson.

Am 1. August 1991 begann Alex Haslers Laufbahn als Lehrperson an der NMS, hauptsächlich als Lehrer für Biologie am damals noch existierenden Lehrerinnen- und Lehrerseminar. Er unterrichtete aber auch andere Fächer, unter anderem Mathematik. Dafür erhielt er von den Lernenden lobende Rückmeldungen. Einige lassen durchblicken, dass Alex Hasler schon zu Beginn seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrperson dem Lernen mindestens so viel Beachtung schenkte wie dem Lehren: «Ich finde den Unterricht gut. Wir haben die Möglichkeit, uns in der Klasse gegenseitig zu helfen, können uns aber jederzeit an Herrn Hasler wenden. Er erklärt uns die Aufgaben gut. Mir gefällt es!» Sein 

Engagement für das Lernen war am Lehrerinnen- und Lehrerseminar am richtigen Ort, denn hier ging es darum, die angehenden Volksschullehrpersonen nicht lediglich zu Stoffvermittler*innen auszubilden, sondern zu Gestalter*innen von möglichst spannenden Lernprozessen zu machen. Darin wurzelte auch sein Interesse an «erweiterten Lernformen (ELF)», fächerübergreifendem und projektbasiertem Lernen und an der Schulentwicklung im Allgemeinen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Alex Hasler nach der Auflösung der Lehrerinnen- und Lehrerseminare mit ganzer Kraft beim Aufbau des Gymnasiums einsetzte, das damals in der gesamten Schweiz reformiert wurde. An diesem für die NMS neuen Schultyp unterrichtete er während vieler Jahre sowohl das Grundlagenfach Biologie als auch Biologie im Schwerpunktfach Biologie/Chemie. Die Chancen, die die damals neuen Fächerkombinationen boten, nutzte Alex Hasler vollumfänglich, indem er den Lehrplan mit der jeweiligen Chemielehrperson abstimmte, um sich einem gemeinsamen Inhalt fächerverbindend annähern zu können. Er übte aber auch keine Zurückhaltung, wenn es um eine Zusammenarbeit mit Fächern ausserhalb des naturwissenschaftlichen Bereichs ging: So entstand in den 2000er-Jahren an der NMS ein schweizweit einmaliges fächerübergreifendes Bildungsprojekt, das zunächst «Fächerübergreifender Religionsunterricht (FiRe)» hiess und heute als «Fächerübergreifender Ethikunterricht (FirE») bekannt ist. Dabei kooperierte der damalige Schulpfarrer und Religionslehrer, Pfr. Hansrudolf Lavater, mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer, indem sie gemeinsam Lerninhalte beleuchteten, die Werthaltungen, Menschen- und Weltbilder, Normensysteme, religiöse oder ethische Komponenten beinhalteten. Alex Hasler war einer dieser FiRe- bzw. FirE-Kooperationspartner. Die Leitfrage ihrer gemeinsamen Lerneinheit lautete: «Auf welchem Weg kommt die Welt in unseren Kopf?». Darin wurden philosophische Perspektiven – etwa Platons Höhlengleichnis – mit biologischem Wissen über Wahrnehmung und Neurologie verknüpft. Kein Wunder, schätzten die Lernenden auch diesen Biologieunterricht. Vor allem sein grosses Fachwissen, seine Begeisterung für das Fach, das angenehme Lernklima und die Förderung des selbständigen Arbeitens wurden von Generationen von Lernenden bei jeder Evaluation gelobt.

Ein Beispiel für sein über das eigene Fach hinausreichendes Engagement mag das Förderkonzept für überfachliche Kompetenzen sein, das Alex Hasler mit einer Arbeitsgruppe entwickelte. Damit prägte er unter anderem auch das Studienwahlkonzept «NMStep» massgeblich mit. Auch am Spezialwochenkonzept, das bis heute einen festen Platz im pädagogischen Konzept [Ga2] der Schule hat, hat Alex Hasler engagiert mitgearbeitet. Zudem organisierte er unzählige Lager und Exkursionen.

Wie überzeugt Alex Hasler von «seiner» Schule war, zeigte sich nicht zuletzt auch daran, dass alle seine Kinder einen Teil ihres Bildungswegs an der NMS absolviert haben.

Wir danken dir, Alex, herzlich für dein Engagement als Lehrperson, das du während deines langen Berufslebens fast vollständig der NMS geschenkt hast. Von deiner grossen Arbeitskraft hat nicht nur unsere Institution profitiert, sondern ganz besonders auch die vielen Lernenden, die du in den vergangenen 34 Jahren unterrichtet und begleitet hast. Ihnen allen hast du auch schöne und wertvolle Erinnerungen an die NMS geschenkt.

Für deinen weiteren Lebensweg wünschen wir dir von Herzen alles Gute!

Marko Zahnd, Rektor Gymnasium

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